Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
Amos 5,24
Liebe Geschwister und Freunde!
Ein Ausleger schreibt zu dieser Stelle:
Dieser Bibelvers bringt die Brisanz der Verkündigung von Amos zur Sprache.
Unter den Nachfolgern des Königs Salomo hatte sich Israel in zwei rivalisierende Staaten aufgespalten. Der südliche Teil umfasste die Stämme Juda und Benjamin mit Jerusalem als politischem und religiösem Mittelpunkt, die restlichen Stämme bildeten das Nordreich, das sich auch „Israel“ nannte.
Der Prophet Amos stammt aus dem Süden, tritt aber um 750 v. Chr. im Norden auf.
Dem Land geht es gut, es herrschen Frieden und Wohlstand. Man fühlt sich sicher. Aber wie so oft in der Geschichte hat nur die reiche Oberschicht Anteil an diesem Wohlstand. Sie legt das Recht willkürlich aus und kennt keinerlei soziale Verantwortung, wie sie doch schon im Gesetz des Mose gefordert war. Die Armen werden immer ärmer und die Reichen immer reicher.
Prächtige Gottesdienste werden allerdings immer mehr zur reinen Selbstdarstellung, der feiernde Mensch tritt an die Stelle Gottes. Er dient nicht Gott, sondern sich selbst, er feiert seinen Wohlstand. Was sind wir doch für gesegnete Leute! Und genau da setzt die Botschaft des Propheten Amos ein. Unmittelbar vorher lässt Gott der selbstzufrieden feiernden Gemeinde ausrichten: Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder, denn ich mag dein Saitenspiel nicht hören!
Und dann folgt als krasser Gegensatz:
Es ströme das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
Das heißt: Hört doch auf mit eurer religiösen Show! Ändert lieber Euren Alltag!
Und dann nennt der Prophet immer wieder die sozial Schwachen, die Witwen und Waisen, er geißelt die Unehrlichkeit im Wirtschaftsleben, die Abgaben- und Steuerpolitik, die nur der Oberschicht dient. Die Reichen leben auf Kosten der Armen – und das ohne schlechtes Gewissen. Das schlechte Gewissen heißt damals Amos. Aber damit stört er ja nur den frommen Betrieb, schließlich wird er ausgewiesen.
Gott hatte seinem Volk gute Gebote gegeben. Darin ging es um gegenseitige Rücksichtnahme und immer wieder um das Recht der Witwen, Waisen und Fremdlinge. Aber wie nach einer inneren Gesetzmäßigkeit verschwindet diese soziale Sensibilität immer wieder. Man kann sogar sagen: In dem Maße, wie Gottes gute Gebote in den Hintergrund treten, wächst die soziale Ungerechtigkeit.
Damals – hat Gott einen Schlusspunkt gesetzt. Das Nordreich wurde von Assyrien überrollt. Strafe Gottes für alle Gottlosigkeit. Schluss mit lustig.
Die Botschaft dieses Propheten ist unglaublich aktuell. Geben wir dem Recht und der Gerechtigkeit im Aufblick auf unseren Herrn Jesus Christus Raum in unserem Leben!
Viele Grüße von
Ursula & Reinhard Held
mit David, Jonathan und Tim

